Hier darf ich sein...
- szimmermann34
- 9. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Was mir in der ersten Begegnung mit einem Menschen wichtig ist, lässt sich schwer erklären-aber vielleicht beschreiben.

Noch bevor Worte fallen, liegt etwas im Raum-eine Spannung, ein vorsichtiges Abtasteten, manchmal ein zartes Vielleicht, und auch Hoffnung und Zuversicht.
In den ersten Augenblicken geschieht für mich bereits Wesentliches-nicht durch Tun, nicht durch Technik, sondern durch Dasein. Die Aufmerksamkeit richtet sich darauf, was sich zeigt, ohne es einzuordnen oder verändern zu wollen und ohne zu bewerten. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit.
Nicht immer wird sie erzählt, und doch ist sie da-im Körper, in der Haltung, im Blick, in der Art zu sitzen oder zu atmen.
Oft geht es um mehr als das, was als Anliegen benannt wird. Es geht um lange Wege, um das Durchhalten über Jahre hinweg. Um ein Funktionieren, das irgendwann schwere geworden ist.
Wenn meine Hände den Atlas finden, bleibt alles still. Kein Erzwingen, kein Versprechen. Nur ein kleiner Raum, der sich öffnet, ein Atemzug, der weiter wird, ein Moment, in dem der Körper einfach da sein darf.
Der Atem wird tiefer. Die Anspannung darf für einen Moment loslassen. Kleinere innere Räume öffnen sich-dort, wo zuvor Enge oder Gewohnheit war.
Ein In-Kontakt-Sein?
Ein stilles Gespräch mit dem Körper, dass keine Worte braucht-nur Aufmerksamkeit?
Auch ich lerne in diesen Momenten:
Geduld, Achtsamkeit und die Kraft des Nichts-Tuns, immer wieder neu.
Und das Vertrauen, dass reine Wahrnehmung allein bereits etwas verändern kann-ohne Ziel, ohne Richtung, ohne Anspruch.
Einfach zuzuhören und wahrzunehmen, was das Gegenüber zu erzählen hat. Und dem Gesagten-und Ungesagten-Raum zu geben.
Und wenn die Tür sich wieder schliesst, verweilt etwas Raum-ein leises Echo der Begegnung, nicht greifbar, nur spürbar.
Es erinnert mich daran, warum ich diesen Raum geschaffen habe: Damit Menschen nicht funktionieren müssen. Damit sie nicht erklärt oder eingeordnet werden oder beurteilt werden. Sondern damit sie für einen Moment einfach da sein dürfen-wahrgenommen werden ohne Erwartung, mit Raum für Ruhe und Zeit für sich.
Und genau in diesem Augenblick darf alles so sein wie es ist.



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